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Eine Erweiterung/Aussackung einer Hauptschlagader (Arterie) im Körper bezeichnet man allgemein als Aneurysma, wobei grundsätzlich jede Arterie davon betroffen sein kann.
Ein Aortenaneurysma ist folglich eine Erweiterung einer Aorta, welche grundsätzlich in zwei große Abschnitte unterteilt wird: Brustabschnitt (= thorakale Aorta) und Bauchabschnitt (= abdominelle Aorta). Eine Aorta transportiert sauerstoffreiches Blut in den Kopf, Arme sowie die Bauchorgane und dann über die beiden Beckenschlagadern in die Beine.
Wenn eine erweiterte Schlagader einreißt (= rupturiert), kommt es zu schweren inneren Blutungen, welche einen Schockzustand auslösen und im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Im Inneren eines nicht eingerissenen Aneurysma-Sacks bilden sich oftmals Blutgerinnsel (= Thromben), die zu Gefäßverengungen in Armen, Beinen oder den Bauchorganen führen können.
Krankhafte Erweiterungen der Gefäße können über einen langen Zeitraum beschwerdefrei sein und im klinischen Erscheinungsbild unbemerkt bleiben. Ein Aneurysma-Erkrankung tritt vorwiegend im höheren Lebensalter (über 60 Jahre) auf.
Bei Ultraschalluntersuchungen bei über 65-Jährigen wurde bei Männern in bis zu 13% und in 6% der Fälle bei Frauen ein Bauchaortenaneurysma diagnostiziert.
Da das durchschnittliche Lebensalter kontinuierlich ansteigt, wird auch diese Erkrankung zunehmen.

 

Einteilung:
Aneurysma verum (lat. = wahr) – häufigste Form In den meisten Fällen liegt eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) der Hauptschlagader zugrunde, die Schädigungen an der Gefäßwand verursacht und ihre Auswölbung begünstigt. Hauptrisikofaktor: Erhöhter Blutdruck (Hypertonie) – sowohl für die Entstehung der Gefäßverkalkung als auch für die fortschreitende Ausbreitung des Aneurysmas, da ein bestehendes Aneurysma durch den mit hohem Druck pulsierenden Blutstrom immer weiter aufgedehnt wird.

Aneurysma dissecans (lat. = einschneiden): ca. 25% der Fälle Die Gefäßinnenhaut reißt an einer bestimmten Stelle in Längs– bzw. Querrichtung ein. Das mit hohem Druck in die Hauptschlagader gepresst Blut kann sich in der Folge in die Gefäßwand „vorwühlen“ und die Hauptschlagader aussacken. Überwiegende Ursache dieser Form von Aneurysma sind angeborene Defekte der Gefäßwand.

Aneurysma spurium (lat. = unecht) Dies ist eher ein kleiner Riss des Gefäßes, durch den Blut nach außen treten kann. Geronnenes Blut umschließt den entstandenen Gefäßschaden wie ein Korken und verhindert damit oftmals eine weitere Blutung. Häufigkeit: Hauptsächlich tritt es als Komplikation nach Operationen oder Punktionen an arteriellen Gefäßen auf.

 

Symptome/Beschwerden:

Bauchaortenaneurysma:
Bei schlanken Betroffenen ist manchmal ein pulsierender großer Knoten/Geschwulst zentral unterhalb des Rippenbogens tastbar.
Beschwerden: meist ohne Symptome Vorwiegend (heftige) Bauchschmerzen, diffuse Rückenschmerzen – ähnlich Nierenkoliken oder Hexenschuss -, Blähungen, unregelmäßiger Stuhlgang, in einigen Fällen vermehrter Harndrang, Übelkeit, Brechreiz.
Notfall: Wenn dieses Aneurysma reißt, tritt sehr schnell ein lebensbedrohlicher Schockzustand ein. Wegen des hohen Blutverlusts verblutet der Mensch innerhalb kürzester Zeit innerlich.

Aneurysma verum im Brustbereich/thorakales Aortenaneurysma:
Beschwerden: vorwiegend Rückenschmerzen Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Atemnot wie auch Durchblutungsstörungen der Arme oder des Kopfes aufgrund des Drucks des Aneurysmas auf die umgebende Strukturen.

Aneurysma dissecans:
Es nimmt selten so große Ausmaße wie die beiden vorbeschriebenen Aneurysmaformen an, die Beschwerden sind aber je nach Lokalisation ähnlich.

Aorten-Dissektion: Sonderform
Einriss in der Wand der Hauptschlagader, wodurch Blut zwischen die verschiedenen Schichten der Aortenwand fließen kann. Meist Beschwerdefreiheit im frühen Stadium. Nimmt die Größe des Aortenaneurysmas zu, kann dies zu Brustschmerzen, Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Lähmungen der Beine sowie Nierenproblemen führen.

 

Untersuchungsmöglichkeiten:

• Abtasten des Bauches
• Ultraschalluntersuchung
• Computertomographie
• direkte Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel

Weitere Untersuchungen wie ein MRT oder eine Positronen-Emissionstomographie (PET) können bei speziellen Fragestellungen – wie entzündlichen Ausweitung einer Aorta, Ausschluss einer Bindegewebserkrankung – hilfreich sein.

Behandlung:

• Medikamentös: Therapie des ursächlichen Bluthochdrucks
• Operativ: Einsetzen einer Gefäßprothese/Gefäßstütze (ausgehend von der Leiste) – Langzeitergebnisse werden derzeit wissenschaftlich noch untersucht.

Komplikationen entstehen je nach Ort des Aneurysmas

• bei Schädigung von Kehlkopfnerven: Heiserkeit, Schluckbeschwerden bis hin zu Atemnot
• wachsende Aneurysmen: schwere Beeinträchtigung der Durchblutung anderer Organe oder der Arme und Beine
• Blutgerinnsel: Bilden sich Gerinnsel in den aufgeweiteten Aneurysma- Säcken können diese auch der Beginn von Embolien sein — im Gehirn können sie Schlaganfälle verursachen
• geplatztes Aneurysma: erheblicher Blutverlust, Schockzustand — diese Notfallsituation wird vom Betroffenen nur selten überlebt.

 

Risikofaktoren:

Bluthochdruck und Gefäßverkalkung:

Der Ausbildung eines Aneurysmas liegt in 90-95% der Fälle eine Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) zugrunde:
Mit zunehmendem Alter nimmt der Durchmesser der Hauptschlagader, der Aorta, bei jedem Menschen geringfügig zu – dies ist ein normaler Alterungsprozess.
Eine degenerative (= durch Verschleiß bedingte) Gefäßwanderkrankung führt zu Ablagerungen, Verkalkungen und Verengungen und letztlich zu Gefäßverschlüssen. Sie führt aber auch in einigen Fällen zu einer Schwächung der Arterienwand. Die kontinuierliche, deutlich über das altersentsprechende Maß hinausgehenden Erweiterung der Arterienwand kann dann zur Ausbildung eines Aneurysmas führen.

Die Haupt-Risikofaktoren für Arteriosklerose sind Bluthochdruck (Hypertonie), Nikotinabusus (Rauchen) sowie erhöhte Blutfettwerte (Hypercholesterinämie).
Ein einzelner Herzschlag bedeutet für die Gefäßwand eine Belastung von ca. 20 Kilogramm – bei hohem Blutdruck liegt diese Belastung entsprechend höher. Die mit jedem Herzschlag einwirkende Kraft eines erhöhten Blutdrucks spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung eines Aneurysmas: Es liegt am häufigsten vor einer Aortengabel, wo die Pulswelle der Aorta auf eine Aufzweigung trifft und sich in zwei kleinere Blutströme der Beckenarterien teilen muss.
Besonderes Risiko für ein Aneurysma besteht bei einem Zusammenwirken von arterieller Verschlusskrankheit (AVK), weiten, stark pulsierenden Arterien und Bluthochdruck.

Vererbung:
Es ist erwiesen, dass bei Aneurysmaträgern eine familiäre Vererbung ein Risiko darstellt. Vor allem besteht bei Männern ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko, ein Aneurysma der Bauchaorta zu bekommen, wenn in der Familie Aneurysmen gehäuft vorkommen.

Was man selbst tun kann:

• Gewichtsregulierung bei Übergewicht
• Rauchstopp
• wirkungsvolle Behandlung von Bluthochdruck oder Diabetes
• Behandlung / Diätmaßnahmen bei Fettstoffwechselstörung oder Gicht
• Abbau von psychischem Stress
• Bewegung / regelmäßiges körperliches Training

Wichtige Informationen:
Ein beschwerdefreies Bauchaortenaneurysma wächst allmählich und kann plötzlich (ohne wesentliche Warnzeichen) rupturieren. Daher sollte man vorsorglich ab einem Lebensalter von etwa 60 Jahren eine Ultraschalluntersuchung des Bauches vornehmen lassen.
Ultraschalluntersuchungen sind schmerzlose, strahlenfreie sowie kostengünstige Untersuchungsmethoden. Die Zuverlässigkeit (Spezifität 99%, Sensitivität 98%) für die Diagnosestellung eines Bauchaortenaneurysmas ist sehr hoch.

Screeningtag:
Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) organisiert seit 2009 jährlich einen bundesweiten Bauchaortenaneurysma- Screeningtag (BAA-Screeningtag). 2016 findet der Screeningtag am 21. Mai statt.
Spezieller Fokus ist hierbei die Vorsorgeuntersuchung mittels Ultraschall – Aneurysmen sollen frühzeitig erkannt und dadurch vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden können.

 

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