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Wenn es draußen kälter wird und unsere Körpertemperatur unter 37 Grad sinkt, schützt sich unser Körperstamm (um den Kreislauf und die Funktionen unserer Organe aufrecht zu erhalten), indem er die Wärmeproduktion erhöht und die Wärmeabgabe reduziert. Exponierte Stellen wie Extremitäten sowie Nase, Ohren, Finger und Zehen dienen hierbei als Regulatoren: Kälte führt zum Zusammenziehen der peripheren Blutgefäße, die Blutzufuhr wird gedrosselt, es kommt zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Blut und Sauerstoff. Sinkt die Körpertemperatur noch weiter, kann dies zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen.

Das Gewebe friert ein: Starke Kälteeinwirkung führt lokal zur Schädigung von Gefäßwänden, Wasser aus den Blutgefäßen dringt in das umliegende Gewebe (Schwellung/Ödembildung), die Unterversorgung an Blutflüssigkeit zieht einen Überschuss der Blutzellen nach sich und das Blut verdickt. In der Folge kann dies zu einer Verklumpung der Blutzellen (Thrombose) führen, was die Blutzirkulation zusätzlich behindert.
Das extrazelluläre Wasser kristallisiert im Gewebe, dehydriert und schädigt die Zellen und führt dann zum Zelltod.

Ursachen:
Starke, anhaltende Kälteeinwirkung, vor allem zusammen mit Feuchtigkeit und Wind: z.B. durch unzureichende oder nasse Kleidung, bei Unfällen (der Betroffene kann sich nicht mehr bewegen), im Wasser, in den Bergen.

Man unterscheidet 3 Grade der Erfrierungen:
Grad I: Abkühlung, Hautfärbung weiß/grau, stechender Schmerz in der betreffenden Hautregion. Die Haut verfärbt sich später bräunlich, mögliche Blasenbildungen (ähnlich Verbrennungen), die i. d. R. komplikationslos abheilen.
Grad II (erst nach Erwärmung sichtbar): Rötung, Schwellung, Blasenbildung (vorwiegend Hände/Füße) – mit Blut unterlaufene Blasen heilen schlechter ab; bei offenen Blasen besteht die Gefahr einer Infektion.
Grad III (erst nach einigen Tagen oder Wochen sichtbar): brüchige, blauschwarze, eingetrocknete Hautstellen, hartes Unterzellgewebe (Nekrose), Gefühllosigkeit . Am Übergang zwischen gesundem und abgestorbenem Gewebe entsteht eine Entzündung („Demarkationsfurche“).

Untersuchung:
Körperliche Untersuchung mit Beobachtung und Überwachung der Vitalzeichen (Herz/Atmung).
Jede Erfrierung erscheint anfänglich wie eine Erfrierung I. Grades, das tatsächliche Ausmaß zeigt sich erst nach Tagen oder Wochen! Bei größeren Wunden können Narben und gesteigerte Kälteempfindlichkeit zurückbleiben, bei Erfrierungen III. Grades können Amputationen notwendig werden.

Hilfe:
Betroffenen schnellstmöglich mit Rettungs– oder Wolldecken zudecken, nasse Kleidung wechseln, nach Möglichkeit beheizte Räumlichkeiten aufsuchen, warme, zuckerhaltige Getränke geben. Erfrierungen langsam mit (eigener) Körperwärme oder lauwarmem Wasser aufwärmen, nach Möglichkeit bewegen lassen, ansonsten druckfrei lagern. Eventuell Gabe von Schmerzmitteln.
Bei Blasenbildung ist in jedem Fall ärztliche Behandlung notwendig.

Erfrorene Körperteile nicht anhauchen (Verdunstungskälte), reiben oder stark bewegen, keine Wärmflasche auflegen, nicht mit Schnee einreiben – dies kann zu irreparablen Schäden/Spätfolgen führen!

Wichtig:

  • Zu enge Kleidung und zu enges Schuhwerk behindern die Durchblutung – Kleidung entsprechend anpassen.
  • Ohren, Nase und Händen fehlt die schützende Muskulatur: Sie sind daher besonders zu schützen.
  • Vorsicht bei Übermüdung, bestehenden Verletzungen oder Erschöpfung.
  • Rauchen verengt die Blutgefäße und fördert die Mangeldurchblutung
  • Durch Alkohol erweitern sich die Gefäße in Händen und Füßen, das warme Blut fließt aus dem Körperstamm in die Extremitäten, so dass sich eine Unterkühlung verstärkt.