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Unter einer Fazialisparese versteht man eine Lähmung von Muskeln, die durch den Gesichtsnerv, den VII. Hirnnerv, versorgt werden. Dies betrifft große Bereiche am Kopf: die Gesichtsmuskeln für die Mimik, Tränensekretion und Speichelfluss, das Geschmacksempfinden der Zunge sowie den Muskulus stapedius, der sich im Ohr befindet.

Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen liegt zwischen 7 und 40 Fällen pro 100.000 Einwohnern, üblicherweise ist nur eine Gesichtshälfte betroffen. Das Risiko für eine Fazialisparese steigt mit zunehmendem Lebensalter an, wobei Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sind. Ausnahme: In der Schwangerschaft erhöht sich das Risiko um das Dreifache.

 

Man unterscheidet zwei Formen:

  • Zentral:
    Hirnschädigung / Schädigung oberhalb des Nervenkerns, häufig verursacht durch einen Schlaganfall oder Tumor
  • Peripher (außerhalb des Gehirns und Rückenmarks):
    direkte Schädigung des Gesichtsnervs, meistens lässt sich für diese Form keine konkrete Ursache finden (= idiopathisch)

 

Gesichtslähmung als Begleiterscheinung/Folge anderer Erkrankungen:

  • Durch Viren: Zoster oticus (Herpes im Ohr), Frühsommer-Meningoenzephalitis (durch Zecken), Epstein-Barr-Infektion, Zytomegalie, Windpocken, Mumps, Grippe, Kinderlähmung
  • Durch Bakterien: Borreliose, Mittelohrentzündung, Scharlach, Entzündung der Ohrspeicheldrüse, Gehirnhautentzündung
  • Diabetes mellitus
  • Durchblutungsstörungen des Gehirns, Schlaganfall
  • Hirntumore
  • Verletzungen (z.B. nach Zangengeburt, Verletzungen bei Schädel-Hirn-Trauma, Barotrauma im Mittelohr beim Tauchen)
  • Vererbung (sehr selten)
  • Autoimmunerkrankungen / autoimmune Entzündungsreaktionen z.B. durch Zugluft oder Stress

 

Symptome/Beschwerden

Der Beginn ist meist plötzlich. Mögliche Vorzeichen: Gefühlsstörungen in der Wange, Geschmacksstörungen, Schmerzen im/hinter dem Ohr, Überempfindlichkeit auf Geräusche. Die Gesichtslähmung prägt sich innerhalb von drei Tagen voll aus:

  • Herabhängender Mundwinkel (“schiefer“ Mund), Gesichtsasymmetrie
  • Undeutliche Aussprache
  • Unvollständiger oder fehlender Lidschluss des Auges und somit Gefahr der Austrocknung. Häufig dreht sich der Augapfel auch nach oben (“Bell Phänomen“)
  • Reduzierter Tränenfluss und Speichelsekretion
  • Geschmacksstörungen an der Zunge (vordere zwei Drittel)
  • Geräuschempfindlichkeit auf der gelähmten Seite

 

Untersuchungsmöglichkeiten:

  • Bestimmung der Form der Lähmung (zentral/peripher) und des Ausmaßes
  • Blutuntersuchung auf mögliche Erreger
  • Geschmacksprüfung mittels verschiedener Lösungen
  • Messung der Tränensekretion
  • Ohrspiegelung (Herpes-Bläschen im Gehörgang)
  • bei Verdacht auf Hirnschädigung: CT oder MRT des Kopfes
  • Neurologische Abklärung: Messung von Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und Elektromyographie (EMG)

 

Behandlungsmöglichkeiten:

  • Medikamentös: Kortison (entzündungshemmend)
  • Behandlung einer bestehenden Grunderkrankung: z.B. Behandlung von Bluthochdruck, Einstellung von Blutzucker
  • Künstliche Tränenflüssigkeit, Augensalbe zur Vermeidung des Austrocknens des betroffenen Auges
  • Übungen / Training der Gesichtsmuskeln
  • Operativ: Nervenrekonstruktion, plastisch-rekonstruktive Maßnahmen (Rehabilitation des Mundes bzw. des Auges)

 

Je früher eine Behandlung erfolgt, desto geringer ist das Risiko für bleibende Lähmungserscheinungen. In den meisten Fällen handelt es sich um eine idiopathische Form der Fazialisparese, die sich üblicherweise von selbst wieder zurückbildet. Dies kann bis zu mehreren Monaten dauern.

 

Vorsorgemöglichkeit: Zeckenimpfung gegen FSME (Hirnhautentzündung)

 

Wichtig: Grunderkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen erhöhen das Risiko für eine Fazialisparese.