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Eine plötzliche, ohne erkennbare Ursache auftretende, unterschiedlich starke Hörminderung, die bis zur Taubheit gehen kann, wird als Ohrinfarkt oder idiopathischer Hörsturz bezeichnet.

In der Regel ist diese Schallempfindungsschwerhörigkeit einseitig. Zur Entstehung gibt es verschiedene, jedoch nicht bewiesene Theorien. Ob es sich um eine Innenohrschädigung in Form einer Minderversorgung der Sinneszellen in der Gehörschnecke, einen Defekt der Haarzellen, eine „Weiterleitungsstörung“ der Nervenzellen oder auch eine Kombination von Störungen handelt, ist nicht genau geklärt. Grundsätzlich kann ein Hörsturz in jedem Lebensalter auftreten, gleichermaßen bei Frauen und Männern. Untersuchungen zufolge treten 60% der Hörstürze zwischen dem 30sten und 60sten Lebensjahr auf.  Kinder sind eher weniger davon betroffen. Patienten berichten oft von einem Druckgefühl im Ohr, dumpfem Hörempfinden, als hätte man einen Wattebausch im Ohr, pelzigem Gefühl im Bereich der Ohrmuschel, und von zeitweiligen oder auch dauerhaften Ohrgeräuschen (Tinnitus) wie Rauschen, Klingeln, Pfeifen, Rattern, aber nie von Ohrenschmerzen.

Nachstehende Kriterien könnten beteiligt sein:

  • Durchblutungsstörungen des Innenohrs
  • Störungen des Salzhaushaltes (Natrium- und/oder Kaliumtransport) und der Zellfunktion
  • Störung der Reizübertragung auf die Sinneszellen
  • Entzündliche Veränderungen, z.B. Virusinfektion oder Autoimmunkrankheit
  • Erkrankungen der Halswirbelsäule
  • Tumore im Kopfbereich (z.B. Akustikusneurinom)
  • Stresssituationen scheinen das Auftreten eines Hörsturzes zu begünstigen

Je nachdem, welcher Frequenzbereich zu schwach oder verzerrt wahrgenommen wird, spricht man von einer Hochton-, Mittelton- oder Hochtonschwerhörigkeit. Bisweilen erstreckt sich die Störung auch über das gesamte Frequenzspektrum.

Symptome: 

  • vorwiegend einseitige, unvermittelte Schwerhörigkeit bis zur Taubheit
  • Druckgefühl im betroffenen Ohr
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Sensibilitätsstörungen im Bereich der Ohrmuschel
  • Schwindel (bei ca. 30% der Patienten)
  • Dysakusis (verzerrte Wahrnehmung von Tönen)
  • Lärmempfindlichkeit

Diagnosemöglichkeiten:

  • Anamnese inklusive aller Zusatzerkrankungen und psychisch belastender Faktoren
  • Genaue Untersuchung des Ohres (Ohrspiegelung = Otoskopie) und der Ohrumgebung durch den Facharzt
  • Verschiedene Hörtests, Stimmgabelprüfung, Hörschwellenaudiogramm (Aufzeichnung der Hörfunktion), Tonaudiometrie
  • Hirnstammaudiomtrie (BERA)
  • Laboruntersuchungen zum Ausschluss anderer Erkrankungen
  • Computer- (CT) oder Kernspintomographie (MR) des Gehirns zum Ausschluss anderer Ursachen für die Hörminderung
  • Messung otoakustischer Emissionen (OAE)
  • Sonographie zum Ausschluss von Durchblutungsstörungen

Oftmals bessert sich die Schwerhörigkeit innerhalb von Stunden bis Wochen ohne Behandlung. In diversen Studien werden die Spontanheilungsraten allerdings unterschiedlich beziffert. Beim Auftreten der aufgeführten Symptome ist es gleichwohl ratsam, sofort einen Ohrenarzt aufzusuchen. Die Erfolgschancen sind umso größer, je früher mit der Behandlung begonnen wird.

Es existieren mehrere Therapieansätze wie z.B. Infusionen, durchblutungsfördernde Medikamente, Corticosteroide, hyperbare Sauerstofftherapie, Vitamin-C-Infusionstherapie usw., die indessen alle fachlich umstritten sind – vorwiegend deshalb, weil die Ursachen des Hörsturzes noch unklar sind. Allein bei leichter Schwerhörigkeit ohne sonstige Symptome kann eine spontane Besserung womöglich abgewartet werden. Eine solche Entscheidung sollte jedoch dem Fach-/Arzt überlassen werden.