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Milch und Milchprodukte verursachen bei vielen Menschen Verdauungsprobleme. Wer Milchprodukte schwer verdauen kann, verträgt Milchzucker (=Laktose) womöglich nur in geringer Menge. Der enthaltene Milchzucker wird aufgrund fehlender oder zu geringer Produktion des Verdauungsenzyms Laktase nicht verdaut.
Treten keine Symptome auf, handelt es sich meist um eine Laktosemalabsorption, also eine verminderte Aufnahme bereits aufgespaltener Nahrungsanteile.
Probleme wie Blähungen und Durchfall sind in der Regel die Folge von ungespaltenem Milchzucker im Dickdarm, der von den Darmbakterien aufgenommen und vergoren wird. Die aus der Gärung entstehenden Gase Wasserstoff und Methan führen unter anderem zu Blähungen, die Milchsäure zu Durchfall. Hier spricht man von Laktoseintole-ranz oder auch Milchzucker-Unverträglichkeit.

Bevor man deshalb seine Ernährung grundlegend verändert, ist es wichtig, dass die richtige Diagnose gestellt wird.

Wichtig: Laktoseintoleranz ist keine Allergie! Menschen mit echter Milchallergie (Milcheiweiß- oder Kuhmilchallergie) reagieren bereits auf geringste Mengen von Kuhmilch oder Kuhmilchprodukten allergisch. Personen mit Laktoseintoleranz können manchmal relativ viel Milchprodukte zu sich nehmen, ohne starke Beschwerden zu bekommen.

Mögliche Symptome:
Unterbauchschmerzen – ausgeprägte Blähungen („Gase” oder „Winde”) – Durchfall – Übelkeit / Erbrechen – Akne – Chronische Müdigkeit – Nervosität – Schlafstörungen – Kopfschmerzen.
Bei andauernden Durchfällen besteht durch die verminderte Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sogar erhöhte Infektanfälligkeit.

Ursachen:
Gendefekt- angeborene Intoleranz: Stark reduzierte oder überhaupt keine Bildung von Laktase. Neugeborene leiden bereits an Durchfall.
Primäre oder natürliche Intoleranz: Wenn ein Kind von der Milch entwöhnt wird und sich das Verdauungssystem auf die Verarbeitung anderer Nahrungsmittel umstellt. Der Körper produziert weniger Laktase und kann deshalb nur noch kleinere Mengen Milchzucker spalten.
Sekundäre (erworbene / vorübergehende) Intoleranz: z.B. durch Mangelernährung, Alkoholmissbrauch, Chemo- oder Strahlentherapie, Dünndarmparasiten, Darmschleimhautverletzungen.

Untersuchungsmöglichkeiten:
Diät- oder Auslasstest: Verzicht für eine gewisse Zeit auf Milch und Milchprodukte. Treten währenddessen keine Symptome auf, ist eine Intoleranz möglich.
Expositionstest: Nach einigen Tagen Laktoseverzicht Aufnahme einer bestimmten Menge Milchzucker. Treten die Symptome wieder auf, ist eine Intoleranz wahrscheinlich.
Labor:
Laktose-Toleranz-Test: Blutzuckerspiegelmessung vor und mehrmals nach dem Trinken einer Milchzuckerlösung. So lässt sich feststellen, ob der Körper Milchzucker spalten und aufnehmen kann.
Atemtest: Der Wasserstoffgehalt in der Atemluft wird gemessen (bei einer Laktoseintoleranz meist erhöht).
Speichelprobe: aus der Wangenschleimhaut (keine Leistung der Krankenkasse)

Leben und Alltag:
Laktoseintoleranz ist nicht heilbar. Angepasste Ernährung ermöglicht es aber weitgehend beschwerdefrei zu leben. Wichtig: ausreichende Kalziumaufnahme (grüne Gemüsesorten wie Spinat und Grünkohl, gereifte Käsesorten).
Vorsicht:
Oft enthalten Fertiggerichte Milchzucker-Anteile. Nahrungsergänzungsmittel mit dem Enzym Laktase, die als Tabletten oder Kapseln angeboten werden sollen dafür sorgen, dass der Milchzucker aufgespalten wird. Die Wirkung wurde in Studien aber nicht nachgewiesen.