Themen: , , , , , , , , , , , , ,

Die häufigste Krankheitserscheinung bei Reisen in tropische oder subtropische Regionen ist der Reisedurchfall. Fast die Hälfte aller Reisenden nach Afrika, Asien und Lateinamerika macht diese Erfahrung. In Ägypten sind sogar 90% der Touristen davon betroffen. Bei Reisen nach Nordeuropa, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan besteht dagegen ein eher geringes Risiko.

Ob man daran erkrankt, hängt häufig von Hygiene und Ernährung ab. Mit verunreinigtem Trinkwasser oder kontaminierten Nahrungsmitteln werden die Bakterien aufgenommen, die dann beim vom Jetlag und den ungewohnten Klimaverhältnissen geschwächten Abwehrsystem leichtes Spiel haben: Am kritischsten sind Salate, Eisspeisen oder Eiswürfel in Drinks, rohe Eierspeisen und generell rohe Lebensmittel, v.a. Fleisch und Fisch.

Bei Reisedurchfällen sind die Erreger überwiegend Enterotoxin bildende Escherichia Coli Bakterien (Abk. ETEC). In Lateinamerika sind sie für bis zu 70% der Durchfälle verantwortlich, in Asien zu ca. 20%. Salmonellen, Shigellen und verschiedene Campylobacter-Arten spielen ebenfalls eine Rolle.

Beschwerden:

  • Übelkeit
  • Blähungen
  • Bauchkrämpfe
  • Fieber
  • Erbrechen und Durchfälle
  • hoher Flüssigkeitsverlust
  • bei Kindern und älteren Menschen: Gefahr der Austrocknung und bedrohlichen Kreislaufstörungen

Vorbeugung:

  • Sorgfältige Hygiene: gründliches Händewaschen mit Seife nach jedem Toilettengang sowie vor und nach dem Hantieren mit Lebensmitteln
  • Nur gekochtes, desinfiziertes (Chlor, Silber) oder gefiltertes Wasser trinken und zum Zähneputzen verwenden
  • Gekochte Getränke oder verschlossene Originalflaschen vorziehen. Nur pasteurisierte oder gekochte Milch trinken
  • Verzicht auf Eiswürfel sowie auf Speiseeis
  • Kein rohes oder halbgegartes Fleisch oder Meeresfrüchte essen
  • Rohe Speisen unbedingt vermeiden! Ausnahmen: Schälbares Obst und Gemüse
  • Verzicht auf Kostproben vom Straßenverkauf

Impfungen gegen Cholera, Typhus und Paratyphus, welche ebenfalls mit schweren Durchfällen einhergehen, sind bei Reisen in Entwicklungsländer empfehlenswert. Ihr Arzt berät Sie über die für das Reiseland zweckmäßigen Impfungen.

Die ersten Maßnahmen bei der Eigenbehandlung gelten dem Flüssigkeits- und Salzausgleich. Elektrolythaltige Rehydratationslösungen aus der Apotheke, gezuckerte Tees, Bouillon, Fruchtsäfte und Salz sind hilfreich. Probiotika werden immer noch empfohlen, deren Wirkung darf inzwischen aber anhand neuer Studienanalysen auch bezweifelt werden. Loperamid stoppt den Durchfall, führt dagegen aber zu einer längeren Verweildauer des Erregers im Darm. Eine Anwendung von mehr als 2 Tagen ist in der Regel nicht ratsam. Länger anhaltende Durchfälle müssen medizinisch abgeklärt werden!

Ein Arztbesuch ist dringend erforderlich bei:

  • sehr heftigem Durchfall und gleichzeitigem Erbrechen
  • starken Blähungen (ohne Windabgang)
  • Druck- und Völlegefühl auch bei leerem Magen
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen über mehr als drei Tage
  • Kolik artigen Bauchschmerzen
  • Fieber
  • Kreislaufschwäche, Schwindel
  • Blut, Schleim im Stuhl, Dunkelfärbungen des Stuhls
  • nach Auslandaufenthalten in Risikoländern
  • nach Antibiotikatherapien

Untersuchung:
Nach der Anamnese, in deren Verlauf auch Fragen zum Urlaubsland, Unterbringung und Ernährungsgewohnheiten gestellt werden sollten, identifiziert man bei der Laboruntersuchung etwaige Erreger mit Hilfe von Stuhl und Blutuntersuchungen — wobei in 15-55% der akuten Fälle trotz aller Genauigkeit kein Erreger nachgewiesen werden kann. Bei mehr als 20% der Untersuchten findet sich  demgegenüber in den Stuhlproben mehr als ein potenzieller Keim. Dies bedeutet, dass hinsichtlich der Beschwerden in vielen Fällen keine Klarheit über den verursachenden Keim besteht.

Die Behandlung des Durchfalls richtet sich nach Art und Schwere der Erkrankung: Symptomatisch können Medikamente gegen Bauchkrämpfe oder Brechreiz eingesetzt werden. „Peristaltikhemmer“ setzen die Darmtätigkeit herab. Zur Behandlung, insbesondere bei schweren Verläufen oder bestimmten Erregern, kommen auch Antibiotika in Frage. Chronische Durchfälle bedürfen längerfristigen Untersuchungen.