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Die Rheumatoide Arthritis („RA“; früherer Name: chronische Polyarthritis oder veraltet: primär chronische Arthritis pcP) ist die häufigste chronische entzündliche Erkrankung, die vorwiegend die Gelenke betrifft. Gemäß neuerer Studien hätten Patienten mit einer RA auch ein größeres Risiko für andere Erkrankungen, zum Beispiel Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Weltweit ist die RA die häufigste entzündliche rheumatische Erkrankung. Man geht von ca. 0,5-1% der Weltbevölkerung aus. Frauen trifft diese Krankheit dabei dreimal so häufig, was bedeutet, dass bei einer Gesamtzahl von ca. 800.000 Erkrankten in Deutschland ca. 600.000 Frauen sind. Rheumatoide Arthritis schließt keine Altersgruppe aus. Wenn die Krankheit im Kindesalter auftritt, wird sie als juvenile idiopathische Arthritis bezeichnet. Am häufigsten beginnt die Erkrankung bei Frauen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren, bei Männern etwa 10 Jahre später, wobei die Häufigkeit bei steigendem Alter zunimmt.

Als Ursache für die Entstehung einer RA wird in der Regel eine autoimmune Reaktion zugrunde gelegt. Wahrscheinlich werden zu Beginn des Krankheitsprozesses Zellen des Immunsystems aktiviert, die in einer Autoimmunreaktion anfangs vor allem die Gelenkoberflächen angreifen. Hierbei wird zwischen auslösenden (Viren, Bakterien) und aufrechterhaltenden bzw. beitragenden (erblichen) Faktoren unterschieden. Auch ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und RA wird seit Neuerem in Erwägung gezogen. Früher wurde auch angenommen, dass psychosomatische Einflüsse eine Rolle spielen, ebenso wie über einen sehr langen Zeitraum davon ausgegangen wurde, dass es sich um eine rein entzündliche Erkrankung handelt. Neuere Forschungsergebnisse stützen diese Vorstellung nicht mehr.

Bei Mäusen wurde nachgewiesen, dass aggressive Zellverbände in Knorpel und Knochen eindringen und dort Enzyme entleeren, die ihnen die Zerstörung des Gelenkgewebes ermöglichen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat den schubweisen Zerstörungsprozess als „tumor-like proliferation“ bezeichnet, wobei entzündliche Faktoren nach Untersuchungen des Zentrums für Rheuma-Pathologie, Mainz, für die Zerstörung als eher gering eingeschätzt werden.

Der klinische Verlauf als auch die Intensität können innerhalb eines einzelnen Patienten stark variieren. Typische Symptome sind:

  • Nächtliche und morgendliche Gelenkschmerzen
  • Morgensteifigkeit der Gelenke von mehreren Minuten
  • Gelenkschwellungen
  • Allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit und Erschöpfung, evtl. Fieber zu Beginn und im weiteren Verlauf, vor allem aber bei Schüben. Die Erkrankung schreitet entweder langsam oder schubweise fort
  • In späteren Stadien Skelettverformungen, überwiegend der Finger

Dazwischenliegende Intervalle können unterschiedlich lang sein. Selten heilt die Krankheit nach einem ersten Schub wieder ganz aus; zumeist stellt die RA eine chronische Erkrankung dar. Bei gerade 10% der Patienten ist im Verlauf mit einer kompletten Heilung zu rechnen.

Das Krankheitsbild kann zu Beginn eher unspezifische Symptome wie Erschöpfungszustände, Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Gewichtsabnahme aufweisen, gleichzeitig bei vielen Patienten aber bereits typische Symptome am Bewegungsapparat zeigen. Betroffene beschreiben eine abnehmende Greifkraft der Hände und zunehmende Schwierigkeiten bei manuellen Alltagstätigkeiten. Grundsätzlich kann jedes Gelenk befallen werden bei normalerweise symmetrischer Verteilung auf beide Körperhälften. Fingergrund- und -mittelgelenke, Hand- und Zehengrundgelenke, Sprunggelenke, Schulter, Knie und Ellenbogen sind häufig betroffen. Im weiteren Verlauf führt die sehr schmerzhafte Gelenkschädigung zu einer Gelenksdeformation und zu einer Abnahme der Beweglichkeit.

Diagnostik:

  • Klassifikationskriterien: z.B. ACR-Kriterien (American College of Rheumatology)
  • Laboruntersuchungen: Rheumafaktor, Bestimmung von Antikörpern
  • Röntgen, MRT, Ultraschall, Szintigrafie

Therapiemöglichkeiten – je nach Ausmaß der Erkrankung:

  • Medikamentös: Medikamente können in verschiedene Gruppen aufgeteilt werden.
    – Analgetika (Schmerzmittel)
    – Nicht-steroidale Entzündungshemmer: ausschließlich symptomatische Wirkung (Schmerzen und Entzündungszeichen werden gemildert)
    – Kortisonpräparate (Glucocorticoide)
    – Basistherapeutika: langwirksame Antirheumatika
    – Zu den neueren Therapeutika gehören auch Zytokin-Hemmstoffe. Zytokine sind Proteine, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren, u.a. auch eine wichtige Rolle bei immunologischen Prozessen oder Entzündungsprozessen spielen
    – Synoviorthese: Gelenkeinspritzungen mit entzündungshemmenden Medikamenten
  • Physikalische Therapie: Vorrangiges Ziel ist die bestmögliche Erhaltung bzw. Verbesserung der Selbstständigkeit und Lebensqualität. Daneben Schmerzreduktion, Verhindern von Gelenkveränderungen (Deformitäten), Erhaltung/Verbesserung von Beweglichkeit, Muskelkraft und Ausdauer
  • Ergotherapie: Die Ziele werden auf die Krankheitsaktivität (akute/chronische Phasen) abgestimmt: Erhaltung der Funktionsfähigkeit für die aktive Teilnahme am täglichen Leben, Schmerzlinderung, Vorbeugung von Deformitäten, Erhalten/Wiederherstellen der Greiffunktion der Hände
  • Operation

Bei schwereren Verlaufsformen können weitere Organe wie Haut (u.a. Schuppenflechte, Sklerodermie), Augen (u.a. Skleritis, Keratitis) Lunge, Herz, Gefäße, Magen-Darm-Trakt, Nieren und Nervensystem angegriffen sein – laut neueren Untersuchungen haben Erkrankte zudem ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt).

Die Gelenkschäden sind irreversibel. Ungenügend behandelten Patienten droht mit der Zeit die Invalidisierung sowie eine vollständige Abhängigkeit von Dritten.

Deshalb ist so rasch wie möglich die Diagnose zu stellen – je früher sie gestellt und mit der Basistherapie begonnen wird, desto besser ist die Prognose.