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Die Trigeminusneuralgie ist eine Kategorie des Gesichtsschmerzes und zählt zu den stärksten bekannten Schmerzerfahrungen. Sie tritt im Versorgungsgebiet des Nervus Trigeminus (fünfter Hirnnerv, auch Drillingsnerv) auf. Charakteristisch sind plötzliche, elektrisierende Schmerzattacken maximaler Stärke aber meist nur sekundenlanger Dauer. Die spontanen oder durch ein bestimmtes Ereignis (z.B. Berührung, Wind, Kälte) ausgelösten, abrupten oder auch intervallartigen, heftigsten Schmerzattacken, welche mehrmals pro Tag, bisweilen mehrmals in der Minute, und über Wochen, manchmal auch über Monate hinweg auftreten können, erstrecken sich in der Regel auf eine Gesichtshälfte. Von einer beidseitigen Symptomatik sind weniger als 5% der Patienten betroffen.  Wegen der Zuckungen der Gesichtsmuskulatur, die mit diesen Anfällen oft einhergehen, wird diese Erkrankung auch „Tic douloureux“ genannt. Bedingt durch die enormen Schmerzen, die zu den stärksten für den Menschen vorstellbaren gehören, entwickeln Patienten auf Dauer Verhalten, um die Schmerzauslöser zu vermeiden. Nicht selten wird diese Neuralgie mit depressiven Stimmungen begleitet. Bei den Betroffen ist die Suizidrate bedeutend erhöht.

Die idiopathische (= mit unbekannter Ursache) Trigeminusneuralgie tritt in der Regel nach dem 40. Lebensjahr auf und betrifft Frauen zu ca. 50% häufiger als Männer, wobei sich das Vorkommen bei Frauen auf ca. 5,9 auf 100 Tausend Personen pro Jahr beläuft. Die symptomatische (= auf eine Ursache hinweisende) Trigeminusneuralgie kann z.B. die Folge einer Multiplen Sklerose oder eines Hirntumors sein. In 60-90% der Fälle entstehen Gesichtsschmerzen durch eine Erkrankung, Schädigung, Reizung oder Kompression des Nervus Trigeminus. Mitunter treten in einem Frühstadium dieser Erkrankung (Prä-Trigeminusneuralgie) Schmerzen auf, die vergleichbar mit Zahnschmerzen oder einer Nebenhöhlenentzündung sind.

Man unterscheidet zwei Entstehungsformen:

  • Idiopathische oder primäre Trigeminusneuralgie
  • Symptomatische oder sekundäre Trigeminusneuralgie

Die Ursachen der idiopathischen Trigeminusneuralgie sind zwar nicht genau bekannt, jedoch kann man in 70-100% der Fälle einen Zusammenhang mit einer Kompression des Trigeminusnervs durch Arterienschlingen im Kleinhirn-Brückenwinkel nachweisen.

Ursachen der symptomatischen (sekundären) Trigeminusneuralgie:

  • Multiple Sklerose
  • Tumore im Schädelinneren
  • Hirninfarkte
  • Kopfverletzungen
  • Herpes Zoster
  • Andere Nervenentzündungen
  • Veränderungen der Halswirbel
  • Vererbung (sehr selten)

Mögliche Auslöser für eine Trigeminusattacke:

  • Kauen, Sprechen, Essen
  • Zähneputzen
  • Rasieren
  • Rauchen
  • Alkohol
  • Koffein
  • Stress
  • Medikamente
  • Berührungen
  • Luftzug, Kälte

Charakteristika:

  • Blitzartig einschießende, nur wenige Sekunden dauernde, stechende Schmerzen (Schmerzparoxysmen) in einer Gesichtshälfte; vorzugsweise an Wange, Oberlippe, Kinn, Unterlippe und Unterkiefer
  • Attacken können über Wochen bis Monate täglich bis zu 100x auftreten
  • Muskelverkrampfungen im Gesicht
  • Überempfindlichkeit bei Berührung
  • Schmerzen können in äußerst quälende, länger andauernde Schmerzsalven übergehen

Therapie:

Konservativ/medikamentös: überwiegend Medikamente zur Behandlung neurologischer Erkrankungen – allein oder in Kombination:

  • B. Carbamazetin/Oxcarbazepin, Phenytoin, Baclofen, Lamotrigin, Pregabalin, Gabapentin, Misoprostol

Invasiv/operativ: Entlastung des Nervs oder Unterbindung der Schmerzleitung

  • Perkutane Verfahren (durch die Haut): Thermokoagulation (temperaturgesteuerte Koagulation, Verödung mittels einer speziellen dünnen Thermosonde durch lokale Hitzeeinwirkung), Glyzerinrhizolyse (chemische Koagulation) und Ballonkompression
  • Mikrovaskuläre Dekompression: operative Beseitigung der Nervenkompression durch Blutgefäße

Radiochirurgische Verfahren: Bestrahlung

Dauerschmerzen, wie sie bei einer Trigeminusneuralgie vorkommen, bewirken häufig Verhaltensänderungen bis zum sozialen Rückzug und haben oft schwere Depressionen mit Suizidgedanken zur Folge. In der Behandlung hat sich deshalb eine parallel durchgeführte Psychotherapie als hilfreich erwiesen.