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Unser Blut setzt sich aus den unterschiedlichsten Zellen zusammen – hierbei sind die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) deutlich in der Mehrheit: Ihr Normwert beträgt bei Frauen zwischen 3,9 und 5,0 Mio./μl, bei Männern zwischen 4,3 und 5,6 Mio./μl (1 μl = 1 Mikroliter = 1 Millionstel Liter).

Ursprünglich werden sämtliche Blutzelltypen aus denselben Stammzellen gebildet, welche zwei wichtige Eigenschaften besitzen: Sie können Kopien von sich selbst herstellen (Selbsterneuerung) und sie können sich zu verschiedenen Zellformen entwickeln (pluripotent).

Die Blutbildung (Hämatopoese) findet überwiegend im roten Knochenmark statt, das sich in den flachen Knochen des Kopfes, Beckens, Brustbeins, der Rippen und Wirbelkörper findet. Nur nah am Körperstamm enthalten die langen Röhrenknochen von Oberarm und Oberschenkel rotes Mark. Ab dem 7. Schwangerschaftsmonat werden die Blutzellen noch im Knochenmark des gesamten Skeletts gebildet, während der weiteren Entwicklung verlagert sich das „rote“ Knochenmark und wird an einigen Stellen durch Fettmark ersetzt.

Da permanent riesige Mengen an Blutzellen verbraucht werden – pro Sekunde etwa 2 Millionen Blutkörperchen – muss unser Körper entsprechend nachproduzieren.
Die Blutbildung wird durch verschiedene Wachstumsfaktoren gesteuert, die pluripotente Stammzellen anregen zu wachsen, sich in verschiedene Zelltypen zu differenzieren und in den verschiedenen Stadien der Blutbildung wirksam sind: Erythropoetin steuert die Bildung der Erythrozyten, Thrombopoetin steuert die der der Thrombozyten und die Bildung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) Wachstumsfaktoren wie Interleukine und sog. CSF (colony stimulating factors). Des weiteren können Wachstumsfaktoren die Lebensdauer reifer Blutzellen erhöhen. Damit diese in die Blutbahn gelangen können, besteht eine starke Bindung an die zwischengelagerten Bindegewebszellen des Knochenmarks. Mit zunehmender Reifung lässt diese Bindung nach, so dass sich die Blutzellen lösen und in die Blutbahn übertreten können.

Der Entwicklungszyklus der Erythrozyten (= Erythropoese) dauert etwa 5 bis 9 Tage. Im Knochenmark entstehen aus den „Vorläuferzellen“ über Zwischenstufen eisenaufnehmende Erythroblasten, in denen die Hämoglobinbildung stattfindet. Nachdem der Kern abgestoßen wird, wandern die jugendlichen Erythrozyten (= Retikulozyten) aus dem Knochenmark in das Blut, wo sie zu fertigen, kernlosen Erythrozyten reifen.

Ein Kubikmillimeter Blut (Größenvergleich: einfacher Stecknadelkopf) enthält 4 bis 5 Millionen rote Blutkörperchen. Weil sie so winzig und leicht verformbar sind, besitzen sie die Fähigkeit, feinste Haargefäße des Blutkreislaufs zu passieren. Ihre Lebensdauer beträgt bis zu 120 Tagen.
Um überalterte Erythrozyten zu ersetzen, müssen täglich ca. 200 Milliarden neue gebildet werden, das entspricht ca. 1% insgesamt. Dafür benötigt der Körper in ausreichender Menge Eisen, Vitamin B12, Folsäure und die Spurenelemente Zink und Kobalt.

Überalterte Erythrozyten werden hauptsächlich in der Milz und gering auch in der Leber abgebaut (= Hämolyse). Dabei wird das enthaltene Hämoglobin in seine Bestandteile Globin und Häm zerlegt und die Grundsubstanz des Häms zum Gallenfarbstoff (Bilirubin) abgebaut. Dieses zunächst nicht wasserlösliche Bilirubin wird im Blutplasma an Albumin gebunden zur Leber transportiert. Dort wird es zum wasserlöslichen, direkten Bilirubin umgebaut und über die Gallenblase an den Darm abgegeben. Hier wird es weiter umgebaut zum Sterkobilinogen und Sterkobilin, wo es dem Stuhl seine Farbe gibt und ausgeschieden wird.

Erythrozyten enthalten den roten Blutfarbstoff „Hämoglobin“, das für den Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid zuständig ist. Daher sind rote Blutkörperchen lebenswichtig für die Atmung. Ihre Form ist bei vielen Krankheiten, wie z.B. den verschiedenen Arten der Blutarmut, in charakteristischer Weise verändert.