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Obwohl bei Menschen aufgrund individueller Unterschiede Blutzuckergrenzwerte schwer festzumachen sind, spricht man in der Fachliteratur von Unterzuckerung, wenn der Zuckergehalt im Blut unter einen bestimmten Grenzwert fällt (40-50 mg/dl oder 2,22-2,78 mmol/l). Da es individuell verschieden ist, ab welchem Blutzuckerspiegel Symptome auftreten, unterscheidet man eine asymptomatische (ohne Symptome) und eine symptomatische (mit Symptomen) Hypoglykämie. Weiterhin wird auch noch zwischen unterschiedlichen Schweregraden differenziert.

 

Beim gesunden Menschen sorgen unterschiedliche Mechanismen für die Regulierung des Blutzuckerspiegels. Das von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttete Hormon Insulin steigert die Aufnahme von Glucose in den Muskelzellen und senkt damit den Spiegel, die Abgabe von Glucagon steigert ihn. Wenn die blutzuckersteigernden Vorkehrungen des Körpers die der blutzuckersenkenden nicht mehr ausgleichen können, entsteht eine Unterzuckerung.

 

Hypoglykämie tritt nicht ausschließlich krankheitsbedingt auf. Als Ursache kommen auch starke körperliche Belastung (z.B. Sport, harte Arbeit etc.) oder Stress in Frage. Mahlzeiten, die eine starke Insulinausschüttung zur Folge haben, können den Kompensationsmechanismus überfordern und so zu einer Hypoglykämie führen. Man spricht von einer reaktiven Hypoglykämie. Alkohol hemmt die Zuckerneubildung (Gluconeogenese) in der Leber und verhindert entsprechende Kompensationsmechanismen des Körpers, so dass auch bei Alkoholkonsum eine Hypoglykämie entstehen kann. Auch eine chronische Unterernährung bei Alkoholmissbrauch kann eine Hypoglykämie verursachen.

 

Symptome (Beschwerden):

  • Leistungsabfall
  • Heißhungergefühl
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Verwirrtheit
  • Kopfschmerzen
  • Kalter Schweiß
  • Zittern
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Herzklopfen
  • Unruhe
  • Müdigkeit
  • Sehstörungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Neurologische Ausfälle
  • Krämpfe, Lähmungen, Bewusstlosigkeit = Notfall

 

Ursachen:

  • Nebennierenrinden-Unterfunktion (Addison-Syndrom)
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Unterfunktion der Leber
  • Malabsorption
  • Medikamente, die insulinproduzierende Zellen zerstören
  • Medikamente, die die Insulinausschüttung erhöhen
  • Alkoholmissbrauch
  • Krebs
  • Tumoren in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren (Insulinom)
  • Häufig: Falsche Anwendung von Diabetesmedikamenten (Insulin, Tabletten)
  • Reaktive Unterzuckerung, als überschießende „Reaktion“ nach einer stark kohlehydrathaltigen Mahlzeit

 

Diagnose:

  • Zustand des Betroffenen
  • Messung der Blutzuckerwerte
  • Krankengeschichte und Symptome

 

Maßnahmen:

Beim wachen Patienten Zuführung von Kohlehydraten (bes. Traubenzucker) in Form von Getränken (Limonaden, Cola) oder passender Nahrung. Beim bewusstlosen Patienten Verabreichung von Glucagon intramuskulär. Intravenöse Gabe von Glucose (nur durch Arzt oder Rettungsdienst).

 

Generell gilt, dass bei einer leichten Unterzuckerung die Einnahme von kohlehydrathaltigen Getränken und Speisen bis zur Rückbildung der Anzeichen ausreichend sein sollte. Eine kurzfristige „Überdosierung“ hat hierbei keine schädliche Wirkung, hingegen können zu niedrige Blutzuckerwerte lebensgefährlich sein.

 

Eine schwere Unterzuckerung oder ein hypoglykämischer Schock, erkennbar unter anderem an zentralen Atem- und Kreislaufstörungen, Krampfanfällen, Lähmungen, Sprachstörungen, Schläfrigkeit oder Bewusstlosigkeit, erfordert immer sofortige notärztliche Hilfe.

 

Im Zweifel ist ein sofortiger Notruf sinnvoller als wertvolle Zeit zu verlieren, weil Symptome nicht erkannt oder falsch gedeutet wurden.