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Laut Europäischem Gerichtshof hat Deutschland durch die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente gegen EU-Recht verstoßen, dies sei eine nicht gerechtfertigte Beschränkung des freien Warenverkehrs.
Im Oktober 2016 hat der Europäische Gerichtshof daher erlassen, dass Versandapotheken, die ihren Sitz in anderen EU-Ländern haben, die gesetzlich festgeschriebenen Preise für Arzneimittel in Deutschland unterbieten und Rabatte gewähren dürfen.
Dies bedeutet, dass die in Deutschland vorgeschriebenen verbindlichen Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel nicht gelten, wenn diese über eine Versandapotheke aus dem Ausland bezogen werden. Für inländische Versandapotheken gilt das Urteil vorerst nicht. Viele Apotheker sehen sich jetzt in ihrer Existenz bedroht, weil sie mit Versandapotheken in einen Wettstreit treten müssen.

Der Bundesverband deutscher Versandapotheken spricht von einer Diskriminierung inländischer Apotheken und wirft die Frage auf, warum deutschen Versand-Apotheken etwas verboten werde, was Versendern aus anderen europäischen Ländern erlaubt werde. Jedoch dürfen in nur 7 von 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union rezeptpflichtige Medikamente über den Versandhandel bestellt werden – dazu nur unter teils sehr strikten Auflagen.

Seitens der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände kam der Vorschlag zu einem Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln in Deutschland, was auch inländische Versandapotheken betreffen würde. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will nun diesen Versandhandel verbieten und hat hierzu im Dezember 2016 einen Referentenentwurf vorgelegt. Ziel sei es, eine Struktur für eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung mit Medikamenten sicherzustellen – so dass die Versorgung von Patienten, die auf dem Land längere Anfahrtswege zu Apotheken hätten, verbessert werde. Der Versandhandel könne die wohnortnahe Beratung und Versorgung nicht ersetzen.

Krankenkassen sehen in dem gekippten Rabattverbot im Versandhandel eine Möglichkeit zur Senkung ihrer Ausgaben, zudem könnten unter anderem Kassenpatienten – vor allem chronisch Kranke, die regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente benötigen – von Rabatten bei den Zuzahlungen profitieren.

Im Januar 2017 wurde der Referentenentwurf nun mit dem Ziel begründet, den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und die Versorgung von Patienten mit Arzneimitteln sicherzustellen.

Vorteil von Apotheken vor Ort:

  • Verpflichtungen zur Vorratshaltung – vor allem wichtig in Krisensituationen bei der Organisation der ortsnahen und kurzfristigen Verfügbarkeit von z.B. lebenswichtigen Impfstoffen
  • Kundenberatung: Da Medikamente Nebenwirkungen verursachen können, gilt in Deutschland die Apothekenpflicht, um das Risiko von Wechselwirkungen zu reduzieren
  • Notdienstregelung

Nachteil bei den Versandapotheken ergibt sich durch die zeitliche Verzögerung bei der Auslieferung benötigter Arzneien, da die Zustellung von externen Dienstleistern abhängig ist.

Dieser Referentenentwurf wird zunächst im Bundesrat, dann durch den Bundestag entschieden. Ein Erlass ist noch in 2017 geplant.

 

Vorsicht:

Generell gilt: Wer online einkauft, sollte nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Versandkosten achten. Beim online-Kauf von Medikamenten sollte man unbedingt einen seriösen Versender wählen, um zu vermeiden, gefälschte Arzneimittel zu bekommen.
Informationen findet man u.a. im Versandhandelsregister des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information(DIMDI).