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Der Krankenkassen Zusatzbeitrag wird 2017 weiter angehoben: Die Kassen begründen den erwarteten Anstieg von 0,3 % unter anderem mit den zunehmenden Kosten für Hartz-IV-Empfänger und Flüchtlinge.

Damit läge der durchschnittliche Krankenkassen Zusatzbeitrag 2017 bei 1,4 %, was insgesamt einen Krankenkassenbeitrag von 16 % ergeben würde. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung, geht für das Jahr 2019 sogar von einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,8 % aus.
Die wachsenden Kosten im Gesundheitssystem wie auch die unzureichenden Geldmittel für Harz-IV-Empfänger machten diese Erhöhung notwendig.

Die Kassen erhielten für Hartz-IV-Empfänger derzeit monatliche Zahlungen von 90 Euro, benötigten aber durchschnittlich 136 Euro, was einer Finanzierungslücke von 2,3 Milliarden Euro entspreche.
Auch der Zuzug von Flüchtlingen belastet die Krankenkassen: Nachdem ein Flüchtling anerkannt ist, als arbeitslos gilt und somit Hartz-IVLeistungen erhält, fällt er unter die Zuständigkeit der gesetzlichen Krankenkassen.

Welche zusätzlichen Ausgaben auf die Kassen zukommen, lässt sich hier nur schwer errechnen. Um die Beiträge auch im Jahr 2017 stabil zu halten, hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bereits im Juni angekündigt, 1,5 Milliarden Euro mehr aus dem Gesundheitsfonds an die Kassen zu überweisen.
Noch ist nicht geklärt, ob Frau Pfeiffer diese Unterstützung in ihre Kalkulation mit einbezogen hat. Mitte Oktober, jedoch spätestens bis zum 1. November 2016 möchte der GKV-Schätzerkreis bekanntgeben, wie hoch der tatsächliche durchschnittliche Zusatzbeitrag ausfallen werde.

Diese Einschätzung ist für die Kassen aber nicht verbindlich. Sie können ihren Zusatzbeitrag selbst festlegen.

Derzeit verzichtet nur eine regionale Krankenkasse, die Metzinger BKK, auf den Zusatzbeitrag. Die teuerste ist derzeit die Viactiv. Überdurchschnittlich teure Kassen verlieren zahlende Mitglieder: Allein bei der DAK-Gesundheit, derzeit zweitteuerste Kasse, gingen im ersten Quartal diesen Jahres 184.000 Kündigungen ein. Hier hingegen konnte sich die günstigste bundesweit geöffnete Krankenkasse hkk im gleichen Zeitraum über einen Zuwachs von rund 17 % freuen.

Ist die Erhöhung des Zusatzbeitrags 2017 ein neues Argument für die Bürgerversicherung?

Die nochmalige Anhebung der Krankenkassenbeiträge wird ein denkbares Thema im Bundestagswahlkampf 2017 werden. Zwar gibt es Gesuche, den Zusatzbeitrag wieder gleichmäßig auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu verteilen.
Andererseits könnte diese Erhöhung die Forderung nach einer Bürgerversicherung wieder ankurbeln: SPD, Grüne und Linkspartei hatten im letzten Wahlkampf für die Einführung einer solidarischen Bürgerversicherung geworben, in die nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Selbstständige und Beamte einzahlen müssen.