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Beim unklaren Abdomen (Bauchraum) handelt es sich nicht um eine bestimmte Erkrankung, sondern vielmehr um verschiedene Symptome, die unterschiedlichste Erkrankungen zur Grundlage haben können, dabei aber nicht unbedingt abdominal begründet sein müssen, also nichts über die Ursache der Symptome aussagen.

 

Meistens handelt es sich um akut eintretende, anhaltende, heftige Schmerzen im Bauchraum oder Unterleib bei oftmals lebensbedrohlichen Krankheiten. Der eingeschränkte Allgemeinzustand des Patienten erfordert hier eine sofortige, notfallmäßige ärztliche Behandlung.

 

Die Schwere der Symptome und des Verlaufs muss dabei nicht zwangsläufig mit der Schwere der Grunderkrankung in direkter Wechselwirkung stehen.

 

Klassische Leitsymptome:

  • Plötzlich auftretende, heftige, anhaltende Bauchschmerzen
  • Gastrointestinale Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Störung der Darmfunktion)
  • Schocksymptomatik (Blässe, kalter Schweiß, Kreislaufstörungen, Bewusstseinsstörungen bis zu Bewusstlosigkeit – bei z.B. inneren Blutungen)

 

Begleitsymptome:

  • Abwehrspannung der Bauchdecke
  • Verschlechterung des Allgemeinzustandes
  • Fieber
  • Unruhe
  • Übertragene Schmerzen im Rücken. Von inneren Organen ausgehende Schmerzen werden aufgrund der Verschaltung der spinalen (Rückenmark betreffend) Nerven auf bestimmte Hautareale projiziert.

 

Schmerztypen:

  • Viszeral: Plötzlich, krampfartig, kurzfristig, gut lokalisierbar. Danach diffus und dumpf.
  • Kolikartig: an- und abschwellend, wiederkehrend mit Unterbrechungen, krampfhaft.
  • Somatisch: Schneidender, bei Bewegung sich stark verstärkender Schmerz. Zuerst gut lokalisierbar, bei Ausbreitung diffus.

 

Aus Gründen der Überschaubarkeit wurden klinische Differenzierungen getroffen:

 

Zeitlich:

  • Superakutes Abdomen (lebensbedrohlich mit schnellstmöglicher OP-Entscheidung)
  • Akutes Abdomen (keine unmittelbare Lebensbedrohung, OP-Entscheidung innerhalb von Stunden)
  • Unklares Abdomen (kein akutes Abdomen, keine kurzfristige OP-Entscheidung)

 

Schweregrad der Befunde:

  • Schweregrad 1: Druck- und Klopfschmerz, keine Bauchfellreizung (Peritonismus)
  • Schweregrad 2: Druck- und Klopfschmerz + lokalisierte (auf einem eingeschränkten Bereich) Abwehrspannung der Bauchdecke
  • Schweregrad 3: Druck- und Klopfschmerz + diffuse Abwehrspannung (komplett hartes Abdomen)

 

Die Ursachen können mannigfaltig sein, deshalb sind eingehende Untersuchungen und Abklärungen notwendig.

 

Beispiele für intraabdominelle (innerhalb des Bauchraums) Ursachen:

  • Entzündliche Prozesse diverser Organe wie z.B. Blinddarm, Gallenblase, Dickdarm, Magen-Darm-Trakt, Bauchspeicheldrüse, Bauchfell oder auch Abszesse, Lymphknotenentzündungen usw.
  • Darmlähmung, Darmverschluss, Darmriss,
  • Blutungen diversester Ursachen
  • Organ- oder Gefäßverletzungen (z.B. nach Unfall oder aufgebrochenem Geschwür)
  • Durchblutungsstörungen der z.B. Leber, Milz, Darmwand
  • Tumoren
  • Hernien (Durchbruch von Eingeweiden durch eine Bruchpforte in der Bauchwand)

 

Beispiele für extraabdominelle (außerhalb des Bauchraums) Ursachen:

  • Herzmuskelentzündung oder Herzinfarkt
  • Rippenfellentzündung, Lungenentzündung, Embolien
  • Chronische Niereninsuffizienz (Nierenversagen)
  • Gynäkologische Ursachen (Ovarialzysten oder -Tumore, Eierstock- und/oder Eileiterentzündung etc.)
  • Urologische Ursachen (Harnsteine, Nierensteine, Harnstau etc.)
  • Stoffwechselentgleisungen bei z.B. Diabetes Typ1

 

Diagnose:

Anamnese, Vorerkrankungen und –Operationen, Schmerzauslöser, Schmerzbeginn, Zyklus etc. Schmerzqualität, Lokalisation. Sichtdiagnose (Inspektion), Abhören (Auskultation), Abtasten (Palpation), Digital-Rektale-Untersuchung (rektale Untersuchung mit dem Finger). Temperaturmessung. EKG. Ultraschall, Röntgen, CT, MRT, Magenspiegelung, Bauchspiegelung, Darmspiegelung, Bauchschnitt. Schwangerschaftstest. Laboruntersuchungen mit Blut-, Urin- und Hämoccult (Blut im Stuhl) Test.

 

Behandlung:

Erstmaßnahme: Lagerung in Schonhaltung, Sauerstoff, venöser Zugang, Infusionen, Überwachung der Vitalfunktionen. Schmerzmittel.

 

Die weitere Behandlung erfolgt ursachenabhängig chirurgisch oder/und konservativ medikamentös.

 

Bei Verdacht auf einen akuten Bauch sollte keine Selbstbehandlung erfolgen.