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Obwohl man unter Farbenblindheit, Farbfehlsichtigkeit oder auch Farbschwäche in der Umgangssprache dasselbe versteht, handelt es sich doch um verschiedene Farbsehstörungen.

 

Je nach Ausprägung können Farbenblindheit oder eine Farbschwäche zu Schwierigkeiten im alltäglichen Leben führen. Bei einer Rot-Grün Schwäche können Fehlsichtige z. B. Früchte und Obst hauptsächlich in Grün-Gelb-Schattierungen wahrnehmen. Rote Signale im Straßen- oder Luftverkehr zu erkennen, bedeutet für Menschen mit einer Rotschwäche oder -blindheit eine große Herausforderung. Eigentlich zur besseren Darstellung unterschiedlich farbig markierte Texte können von Menschen mit einer Farbschwäche weniger gut differenziert werden. Auch die Auswahl farblich passend abgestimmter Bekleidung fällt schwer. Bestimmte Berufe können je nach Verantwortungsbereich nur eingeschränkt oder nur nach Bestehen einer besonderen augenärztlichen Untersuchung ausgeübt werden, wie z.B. Polizist, Busfahrer oder Pilot.

 

Dennoch wird von den Betroffenen diese Sehschwäche im Allgemeinen nicht als Behinderung empfunden. Experimente bekräftigen die Einschätzung, dass Farbfehlsichtige einen ähnlich ästhetischen Eindruck für Farben entwickeln wie Normalsichtige. Studien haben bewiesen, dass Farbfehlsichtige eine größere Anzahl von Khakitönen unterscheiden können, was beim Militär genutzt wird, da diese Personen sich nicht so leicht durch Tarnfarben täuschen lassen. Auch wird vermutet, dass Farbfehlsichtige in der Dämmerung oder in der Nacht deshalb besser als Normalsichtige sehen, weil sie zwar eine geringere Anzahl der für das Farbsehen verantwortlichen Zäpfchen auf der Netzhaut besitzen, dafür eine größere Anzahl von Stäbchen, die im Gegensatz zu den Zäpfchen aber eine höhere Lichtempfindlichkeit aufweisen.

 

Lichtreize werden von unterschiedlichen Sinneszellen der Netzhaut registriert. Je nach Ort auf der Netzhaut unterscheidet sich das Verhältnis dieser Zellen. Für das photopische oder Tagessehen sind die Zapfenzellen zuständig, für das skotopische Sehen bei geringer Helligkeit oder in der Nacht die wesentlich lichtempfindlicheren Stabzellen. Der grundsätzliche Unterschied zwischen Tag- und Nachtsehen besteht in der Farbwahrnehmung bei Tageslicht, während bei schwacher Leuchtdichte nachts keine Farben wahrgenommen werden. Im Übergangsbereich, der Dämmerung, dem sog. mesopischen Bereich sind sowohl Zäpfchen als auch Stäbchen für die Bildwahrnehmung verantwortlich.

 

3 Kategorien von Zapfenzellen sorgen für das normale Farbsehen (Trichromasie): Rotempfindliche für langwelliges Licht, grünempfindliche für mittelwelliges, und solche für blaues, kurzwelliges Licht.  Nach der komplexen Verarbeitung im Gehirn entsteht aus den Signalen aus der unterschiedlichen Reizung der Rezeptoren ein bestimmter Farbeindruck. Fehlen oder Funktionsstörungen bestimmter Zapfenarten verursachen verschiedene Störungen des Farbsehens.

 

In den meisten Fällen sind Störungen des Farbensehens genetisch bedingt. Farbfehlsichtige sind sich ihrer anderen Farbwahrnehmung oft nicht bewusst, da sie ihre Umgebung von Geburt an nicht anders kennen. Hervorzuheben ist die am häufigsten vorkommende Rot-Grün-Sehschwäche, bei der Betroffene die Farben Rot und Grün schwerer als Normalsichtige unterscheiden können, wobei eine Grünschwäche wesentlich öfter auftritt. Zudem sind bedeutend mehr Männer als Frauen betroffen, weil diese Sehschwäche über ein defektes X-Chromosom weitergegeben wird, und bei Männern, da sie normalerweise kein zweites X-Chromosom besitzen, dieser Defekt nicht wie bei Frauen durch ein intaktes zweites X-Chromosom kompensiert werden kann.
Je nach Ausprägung der Degeneration oder des Fehlens der für den grünen oder roten Lichtanteil zuständigen Zapfen ergeben sich unterschiedliche Störungen oder Verschiebungen in der Rot- und Grünwahrnehmung, von einer Schwäche bis zum vollkommenen Ausfall der Wahrnehmung einer oder beider Farben. Bei gleichzeitiger Rot- und Grünblindheit spricht man von einer Blauzapfenmonochromasie. Da die Zapfenzellen u.a. für die Schärfe eines Bildes verantwortlich sind, sehen rot-grün-blinde Menschen auch weniger scharf als Normalsichtige. Wesentlich seltener tritt die Blau-Gelb-Schwäche, Blaublindheit oder Tritanopie (tritos=der Dritte) auf, bei der die für den kurzwelligen, blauen Spektralbereich zuständigen Rezeptoren fehlen. Die Sehstärke wird dadurch nicht beeinträchtigt, da Blaurezeptoren oder S-Zapfen (s = short wavelength receptor), ohnehin nur einen Anteil von 8% bei den Farbrezeptoren haben.

 

Erworbene Farbsehstörungen zeigen als Hintergrund oft Erkrankungen der Netzhaut (Makuladegeneration), Erkrankungen des Sehnervs wie z.B. Entzündungen oder Tumore, Durchblutungsstörungen, aber auch Medikamenteneinnahme oder Vergiftungen und betreffen meistens die Blau-Gelb-Wahrnehmung.

 

Bei der allgemeinen Farbschwäche (anomale Trichromasie) sind zwar alle Arten der Zapfenzellen vorhanden, aber durch eine Sensibilitätsverschiebung überlappen sich die Sensibilitätsspektren zweier Zapfentypen, so dass Farben schlechter wahrgenommen oder unter ungünstigen Verhältnissen auch verwechselt werden.

 

Bei vollkommener Farbenblindheit (Achromatopsie, Achromasie), dem Fehlen aller drei Typen von Zapfenzellen, können keine Farben, sondern nur noch Kontraste wahrgenommen werden. Man unterscheidet zwischen einer angeborenen, okulären (im Auge lokalisiert) oder erworbenen, zerebralen (das Gehirn betreffend) Achromasie, bei der eine neurologische Störung vorliegt. Betroffene sehen nicht nur unscharf, sondern leiden auch unter einer starken Blendungsempfindlichkeit.

 

Verschiedene Tests stehen zur Diagnostizierung einer Farbfehlsichtigkeit zur Verfügung:

  • Farbtafeln (Ishihara-Tafeln): Zahlen oder Symbole aus farbigen Punkten zusammengesetzt.
  • Farnsworth-Test: Farbtöne müssen nach Farbabstufung geordnet werden.
  • Anomaloskop: Ein optisches Gerät, mit dem der Proband durch Mischen von Spektralfarben eine vorgegebene Referenzfarbe (gelb) nachbilden muss.

Für angeborene Farbfehlsichtigkeit gibt es bislang keine Therapiemöglichkeiten, jedoch kann bei erworbenen Farbsehstörungen die Grunderkrankung behandelt und so ein Fortschreiten womöglich verhindert oder verzögert werden. Bei totaler Farbenblindheit unterstützen getönte Linsen oder Spezialbrillen das Restsehvermögen, indem sie die Blendung verringern.

 

Fachbegriffe:

  • Trichromasie: Normales Farbsehen
  • Anomale Trichromasie: Farbschwäche
  • Deuteranomalie:  Grünschwäche, Unterscheidung von Grün und Rot erschwert. Gelb und Grün erscheinen röter.
  • Deuteranopie: Grünblindheit, genetisch bedingt. Grün wird nicht wahrgenommen und mit Rot verwechselt. Rottöne erscheinen braun-gelb, Grüntöne beige.
  • Protanomalie: Rotschwäche. Unterscheidung von Rot und Grün erschwert. Rot, Orange und Gelb erscheinen grüner.
  • Protanopie: Rotblindheit, genetisch bedingt. Rot wird nicht wahrgenommen und mit Grün verwechselt. Rot erscheint schwarz. Orange, gelbe und grüne Töne erscheinen gelb.
  • Tritanomalie: Blauschwäche
  • Tritanopie: Blaublindheit, genetisch bedingt oder auch erworben. Blau/Grün und Gelbgrün/Grau können nicht unterschieden werden. Blau erscheint grün, Gelb erscheint violett oder hellgrau.
  • Dichromasie: Zweifarbensehen, am häufigsten rot-grün betroffen.
  • Monochromasie: Einfarbensehen, hptsl. Blauzapfen-Monochromasie, rote und grüne Zapfen fehlen genetisch bedingt.
  • Achromasie, Achromatopsie: Totale Farbenblindheit. Keine Farben, nur Grau-Stufen. Schwachsichtigkeit, Augenzittern, starke Lichtempfindlichkeit.