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Fast jeder hat es schon einmal erlebt: Wenn bei einer Erkältung die Nase verstopft ist, schmeckt eigentlich alles gleich, wir nehmen unser Lieblingsparfum an uns selbst nicht mehr wahr oder ein viel zu scharfes Essen blockiert den kompletten Geschmackssinn—unsere Chemosensorik ist ausgefallen.

Handelt es sich dabei jedoch nicht um ein vorübergehendes Ereignis und können wir unsere Umwelt „nicht mehr riechen“, ist dies nicht nur eine Beeinträchtigung der Lebensqualität, sondern kann auch zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Riechen und Schmecken sind lebenswichtige Sinne. Zumeist erkennen wir verdorbene Lebensmittel am Geruch und Geschmack oder können zum Beispiel einen Brand frühzeitig ausmachen.

Mund und Nase nehmen unentwegt feinste Moleküle auf, die von den Dingen um uns herum freigesetzt werden. Diese Moleküle aktivieren spezielle Nervenzellen, die Signale an das Gehirn weiterleiten, wo die Geschmacks- und Riechinformationen wahrgenommen und verarbeitet werden.

Die Ursachen für Riech- und Schmeckstörungen sind vielfältig:
Riechstörungen: Virusinfektionen (Grippe), Entzündungen der Nasennebenhöhlen und oberen Atemwege, Nasenpolypen, Unfälle wie Schädel-Hirn-Traumen (Schlag oder Sturz auf den Kopf), gestörter Hormonhaushalt, Zahnerkrankungen, Chemikalien, Medikamente, Tumoren im Kopf- und Hals-/Nasen-/ Ohrenbereich sowie nach deren Strahlenbehandlung, Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes), Schilddrüsenerkrankungen, Vitamin-B12-, Vitamin-A-, oder Zinkmangel , Multiple Sklerose, Parkinson, Alzheimer, Depression, Schizophrenie , angeborene Erkrankungen.
Zusätzlich bei Schmeckstörungen: mangelhafte Mundhygiene, Exposition gegenüber giftigen Substanzen, nach zahnärztlicher Behandlung, Bulimie (Ess-Brechsucht), Leber- und Nierenerkrankungen.

Diagnose:
Anamnese auf Ess-,Trink- und Rauchgewohnheiten, allergische Ursachen, Unfälle oder Operationen und Befragung auf aktuelle Erkrankungen sowie eingenommene Medikamente. Untersuchung der Schilddrüsenfunktion, Prüfung der Nasenatmung, spezialärztliche HNO-Untersuchung (Riech– und Geschmackstest), neurologische Untersuchung evtl. einschließlich Computertomographie bzw. Kernspintomographie zum Ausschluss von Tumoren oder angeborenen Riechstörungen.

Therapie:
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Erkrankung — jedoch sind die therapeutischen Möglichkeiten bei Riechstörungen begrenzt: Chirurgische Eingriffe (z.B. Polypenentfernung), Gabe von kortisonhaltigen Medikamenten. Arzneimittel, die eine Riech-/Schmeckstörung hervorrufen können, müssen ersetzt oder reduziert werden.

Riechstörungen sind fast ebenso häufig wie Diabetes-Erkrankungen. Da ältere Menschen ihre Beeinträchtigung oftmals gar nicht wahrnehmen, können nur die Behandlungsfälle genau beziffert werden: In Deutschland sind dies rund 80.000 pro Jahr! Schmeckstörungen sind dagegen mit 5% eher selten.