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Im Gegensatz zu Bissen von Hunden führen Bisse von Katzen eher (ca. 50% der Fälle) zu Entzündungen und Infektionen: Die langen, teilweise nadelspitzen Zähne verursachen tiefe stichartige Wunden, die Keime und Bakterien aus dem Speichel tief ins Gewebe dringen lassen. Eine Infektion kann sich auf das umliegende Gewebe wie auch Sehnenscheiden und Gelenke ausbreiten oder sogar zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung führen. Hundebisse sind häufiger und aufgrund der höheren Beißkraft kommt es zu größeren Verletzungen, jedoch weniger zu Infektionen.

Verletzungen reichen von kleinen Hautdefekten bis hin zum Abriss von ganzen Körperteilen. Tierbisse gehören in der Regel immer ärztlich behandelt – vor allem, wenn es Kinder, ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem betrifft, und bei Bissen von tollwutverdächtigen Tieren (z.B. Kleinnager, Fledermäuse, Füchse, freilebende Hunde). Wenn möglich sollte das verdächtige Tier von einem Veterinär untersucht werden.

Symptome (Beschwerden): Bei Katzenbissen treten erste Infektionszeichen normalerweise innerhalb von 12 Stunden, bei Hundebissen in bis zu 24 Stunden auf.
Lokale Wundinfektion: Rötung, Überwärmung, Schmerzen, Schwellung, evtl. Eiterbildung
Komplikationen: Funktionseinschränkung des verletzten oder umliegenden Gelenkes, Durchblutungs- oder Gefühlsstörungen (bis hin zu Taubheit), bei großem Blutverlust kann es zum Kreislaufversagen kommen.
Entzündung der Lymphbahnen (Lymphangitis): „Roter Strich“ unter der Haut, der von der Wunde ausgeht. Blutvergiftung (Sepsis): Die Erreger breiten sich von der Wunde über die Blutbahn in andere Organe aus (starkes Krankheitsgefühl, Schüttelfrost, hohes Fieber bis hin zu Organversagen).
Wundstarrkrampf (Tetanus): Symptome treten üblicherweise zwischen 3 Tagen bis zu 3 Wochen nach einer Verletzung auf: grippeähnliches Krankheitsgefühl, Verkrampfungen der Kau- und Gesichtsmuskulatur und/ oder des Nackens, Atemprobleme, Blutdruckschwankungen.
Tollwut-Infektion: Symptome zeigen sich erst nach ein paar Wochen bis hin zu mehreren Monaten. Die Inkubationszeit hängt sowohl von der übertragenen Menge an Viren wie auch von der Entfernung der Bissstelle vom Gehirn ab.

Krankengeschichte, Anamnese: Allein schon aus versicherungstechnischen Gründen bedarf es einer exakten Beschreibung des Hergangs mit Zeitpunkt und Angabe der Tierart (Haustier/Wildtier). Wenn möglich Dokumentation mit Foto. Größere Bissverletzungen müssen vom Arzt – gerade bei Tollwut-Verdacht – dem Gesundheitsamt gemeldet werden und gelten als Unfall.
Erfragen von Vorerkrankungen, die sich möglicherweise ungünstig auf die Wundheilung und das Infektionsrisiko auswirken (z.B. HIV, Diabetes). Abklärung des Impfstatus: Tetanus, Tollwut. Abklärung des Tollwutstatus des Tieres (geimpftes Haustier?). Funktions- und Sensibilitätsprüfungen, Abtasten der Lymphknoten, Röntgen (z.B. Fremdkörper/abgebrochener Zahn des Tieres), Laborwerte (Entzündungszeichen), Gewebeentnahme (Erregerbestimmung).

Therapie (Behandlung): Wunde mit Wasser reinigen und desinfizieren, steril abdecken, locker verbinden. Bei Verdacht auf Tollwut: Wunde sofort mit Wasser und Seife (oder Spülmittel) reinigen – diese Viren reagieren sehr empfindlich darauf und damit kann ein hoher Anteil an Viren bereits entfernt werden. Abgebissene Körperteile (Finger/Zehen) möglichst keimfrei einwickeln, in einer sauberen Plastiktüte mitbringen oder dem Notarzt mitgeben. Druckverband zum Stoppen der Blutung.
Chirurgische Versorgung: Debridement, Drainage, Wundnaht
Medikamentös: Antibiotika
Impfstatus Tetanus und Tollwut: Bei Bissen von Fledermäusen wird immer gegen Tollwut geimpft.